Amerikanische Gärten
Opatija hat einen geheimen Garten, eine grüne Oase der Ruhe inmitten der Stadt mit einem herrlichen Blick auf die Kvarner Bucht: die Amerikanischen Gärten. Diese prächtige Parkanlage mit einer Fläche von mehr als 8000 m2 befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums und des Strands Slatina und ist dennoch ein Ruhepol mit einer fast mystischen Atmosphäre. Nach Jahrzehnten der Schließung sind die Amerikanischen Gärten nun seit Kurzem wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Durch ein monumentales Tor mit Steinsäulen gelangt man in eine Parkanlage mit gepflegter Vegetation, die zur Entspannung von Körper und Geist einlädt.
Die Geschichte der Amerikanischen Gärten geht beinahe ein ganzes Jahrhundert zurück und begann mit einer „doppelten Liebesgeschichte“. Der reiche ungarische Szegediner Paprika-Händler Michael Paulus Kuczor kam in den 1920er Jahren nach Opatija, damals eines der bekanntesten Reiseziele Europas, und verliebte sich in den herrlichen Blick, der sich ihm von den grünen Terrassen oberhalb des Stadtzentrums aus bot. Genau hier entschloss er sich, seinen Traum wahr werden zu lassen, in dem ihm zwischen den Blumen und Wasserbrunnen ein Engel erschien und seine Hilfe beim Anlegen des prachtvollen Gartens versprach. Hilda war jener Engel, der Kuczor beim Anlegen der Gartenanlage half: 1922 heiratete diese Adelige den ungarischen Abenteurer, dessen Weg ihn von seinem Heimatland aus über Paris nach Amerika führte und der sich dort als erfolgreicher Gewürzhandler den Spitznamen „Der Paprika-König“ erwarb.
Das Ehepaar hatte sich zum Ziel gesetzt, auf dem erworbenen Hügel den schönsten botanischen Garten in diesem Teil Europas zu errichten. Dafür sprengten sie Felsen, schleppten kutschenweise Erde heran und legten auf einer Fläche von 30.000 m2 halbkreisförmige Terrassengärten an.
Den Kaufmannsgeist verlor Kuczor aber auch in Opatija nicht: 5 Lira kassierte er für den Eintritt in den Garten, der bald dank des wunderschönen Ausblicks auf die Kvarner Bucht und der sorgfältig gestalteten Parkarchitektur mit Gardenien, Kamelien, Magnolien, australischen Agaven und Eukalypten aber auch Weingärten und tausenden von Rosen berühmt wurde. Natürlich durfte auch die Paprikapflanze, der Kuczor Ruhm und Reichtum zu verdanken hatte, im Garten nicht fehlen.
In den 15 Jahren (von 1926 bis 1941), in denen der Garten der Öffentlichkeit zugänglich war und bevor sein Erbauer Opatija verließ, wurde eine wahre grüne Oase der Ruhe im Herzen der Stadt geschaffen. Journalisten nannten diese Parkanlage die Gärten von Semiramis in Anlehnung an eines der sieben Weltwunder und vor Ort war sie – in Anspielung an Kuczors Vergangenheit – als die Amerikanischen Gärten bekannt. Dieser Name konnte sich bis heute durchsetzen.